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Scale-up vs Scale-out: Die Netzwerk-Mathematik hinter LLM-Clustern

Mathematische Gegenüberstellung von NVLink, InfiniBand und Ethernet/RoCE für LLM-Training und -Inferenz: Link-Bandbreiten, Ring-Allreduce-Kostenmodell, Silizium-Physik und wann welches Netz tatsächlich gewinnt

12 Min. Lesezeitflozi00
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Jeder LLM-Cluster besteht aus zwei übereinanderliegenden Netzen: einem Scale-up-Netz, das einen Rack wie eine einzige große GPU wirken lässt (NVLink + NVSwitch), und einem Scale-out-Netz, das Tausende dieser Racks verbindet (InfiniBand oder Ethernet/RoCE). Hersteller verkaufen beide mit Peak-Bandbreiten; die interessante Frage ist, was diese Gigabits unter echten Kollektiven taugen. Dieser Artikel rechnet die Mathematik explizit vor — Linkraten, Ring-Allreduce-Kosten, Skalierungsdecken — und blickt danach auf die Silizium-Physik, warum diese zwei Ebenen überhaupt existieren.

Zuerst die nackten Zahlen, festgetackert auf aktuelle Datasheets der aktuellen Generation. NVLink 5 (Blackwell, GB200/GB300 NVL72) gibt jeder GPU 18 Links mit je 100 GB/s pro Richtung — 900 GB/s pro Richtung, 1,8 TB/s bidirektional — über eine Kupfer-Backplane zu neun NVSwitch-Trays, die eine einzige nicht-blockierende 72-GPU-Domain mit 130 TB/s aggregierter bidirektionaler Bandbreite bilden12. Die aktuellen InfiniBand-Generationen sind NDR mit 400 Gb/s pro Port (Quantum-2) und XDR mit 800 Gb/s pro Port (Quantum-3 / Quantum-X800, 144 × 800 Gb/s pro 4U-Switch, 115,2 Tb/s Switching-Kapazität)34. Ethernet liegt bei 400G/800G mit RoCEv2, getragen von der Spectrum-X-Plattform (SN5600: 64 × 800G OSFP, 51,2 Tb/s) und ConnectX-8-SuperNICs, die auf GB300-Systemen 2 × 400 Gb/s pro GPU bereitstellen52.

NetzPro Port / pro LinkPro RichtungPro GPU (aktuelle Gen.)
NVLink 5 (in-domain)18 × 100 GB/s Links900 GB/s900 GB/s pro Richtung, Kupfer
InfiniBand NDR (400 Gb/s)50 GB/s pro Port50 GB/s400 Gb/s via ConnectX-7 (8 GPUs teilen sich)
InfiniBand XDR (800 Gb/s)100 GB/s pro Port100 GB/s800 Gb/s pro GPU bei 1:1
Ethernet 400G/800G RoCEv250 / 100 GB/s pro Port50 / 100 GB/s800 Gb/s pro GPU auf GB300 (2 × 400 Gb/s ConnectX-8 Ports auf zwei Ebenen)2

Die Pro-GPU-Zeile ist die entscheidende. Eine B200 in einer NVL72-Domain hat 900 GB/s Switch-Fabric-Bandbreite zu jeder anderen GPU im Rack. Dieselbe GPU in ein anderes Rack über Scale-out schickt höchstens 800 Gb/s (100 GB/s) über die NIC — 9× weniger, und das ist der Bestfall (1:1-NIC-zu-GPU ohne Oversubscription). Die Einheitenfalle: 900 gegen 800 wirkt wie Fast-Parität — bis man GB/s gegen Gb/s umrechnet. Auch die Einheiten verdienen Aufmerksamkeit: Hersteller wechseln zwischen „1,8 TB/s" (bidirektionale Summe) und „900 GB/s" (pro Richtung); die Kollektiv-Rechnung unten funktioniert nur mit Zahlen pro Richtung.

2. Die Latenz-Hierarchie (und warum sie weniger zählt als Bandbreite)

Gemessene und Datasheet-Latenzbereiche der beiden Ebenen:

  • Intra-Domain (NVLink/NVSwitch): GPU-zu-GPU über einen NVSwitch-Hop liegt bei rund 0,1–0,25 µs; veröffentlichte Messungen auf NVSwitch-Fabrics berichten ~100 ns Switch-Latenz plus einen Bruchteil einer Mikrosekunde NIC-Overhead6.
  • NIC + ein Switch-Hop (NDR InfiniBand): kleine RDMA-Nachrichten über einen einzelnen Switch brauchen grob 1–2 µs Round-Trip; der Quantum-2-Switch selbst trägt in Cut-Through etwa 100 ns pro Hop bei64.
  • RoCEv2 über Ethernet: typischerweise 1,5–2,5 µs RTT innerhalb desselben Switches, mit Ethernet-Switch-Hops bei etwa 400–600 ns — ein Mehrfaches von InfiniBand pro Hop, aber in derselben Größenordnung6.

Der Unterschied zwischen 0,2 µs und 2 µs sieht nach einem 10×-Problem aus. Für LLM-Kollektive ist er das meistens nicht. Eine Latenzschranke gilt pro Nachricht:

TLatenz=α⋅⌈V/S⌉T_{\text{Latenz}} = \alpha \cdot \lceil V / S \rceil

wobei α\alpha die Latenz pro Nachricht und SS die Chunk-Größe ist. NCCL pipelint Ringe mit Chunks von 512 KB und größer7, sodass sich die Latenz auf eine Handvoll Round-Trips amortisiert. Der Bandbreiten-Term skaliert dagegen mit dem Payload selbst:

TBandbreite=VbewegtBT_{\text{Bandbreite}} = \frac{V_{\text{bewegt}}}{B}

Bei einem 2-GB-Allreduce ist selbst eine 10-µs-Latenzstrafe Rauschen gegen Millisekunden Transferzeit. Latenz dominiert nur kleine Kollektive — MoE-KleinNachrichten-All-to-all, Barrier-artige Metadaten-Syncs, Decode-phasige Inferenz. Bandbreite dominiert alles, was Aktivierungen oder Gradienten bewegt. Genau deshalb existieren NVLink-Domains: sie kaufen ein 9× an Bandbreite, nicht in erster Linie Latenz.

3. Kollektiv-Mathematik: Warum Kommunikation die Skalierung begrenzt

Das Ring-Allreduce-Kostenmodell

Ein Ring-Allreduce über NN GPUs mit Per-GPU-Payload VV zerfällt in Reduce-Scatter (Daten zirkulieren einmal, VV pro GPU wird zu V/NV/N pro GPU reduziert) und All-Gather (die reduzierten Shards zirkulieren einmal). Jede Phase bewegt N−1NV\frac{N-1}{N}V pro GPU, also gilt für die Gesamtzeit:

TRing=2(N−1)N⋅VBT_{\text{Ring}} = \frac{2(N-1)}{N} \cdot \frac{V}{B}

mit BB als Per-GPU-Bus-Bandbreite (pro Richtung — im Ring sendet und empfängt jede GPU gleichzeitig). Der Faktor 2(N−1)N\frac{2(N-1)}{N} nähert sich der 2 an und überschreitet sie nie — die berühmte „algorithmische Bandbreiten"-Eigenschaft: Ein RING bleibt bandbreitenlimitiert, egal wie viele GPUs man hinzufügt. Der N-Faktor, berechnet:

N2(N−1)/N
21,000
41,500
81,750
161,875
721,972

Durchgerechnetes Beispiel: Aktivierungs-Allreduce bei Tensor-Parallelismus

Ein Transformer-Layer mit tensor-parallelem Attention-Output-Allreduce, dem klassischen TP-Flaschenhals: Hidden Size 16.384, Batch 8, Sequenz 8.192, BF16:

V=8⋅8192⋅16384⋅2 Bytes=2,15 GBV = 8 \cdot 8192 \cdot 16384 \cdot 2\ \text{Bytes} = 2,15\ \text{GB}

Ring-Allreduce-Zeit über drei Netze, mit obiger Formel berechnet:

Netz (Per-GPU-Busbandbreite)N=2N=4N=8N=16N=72
NVLink-5-Domain, 900 GB/s2,39 ms3,58 ms4,18 ms4,47 ms4,71 ms
8 × 400 Gb/s NDR pro Node, 400 GB/s5,37 ms8,05 ms9,40 ms10,07 ms10,59 ms
8 × 800 Gb/s XDR pro Node, 800 GB/s2,68 ms4,03 ms4,70 ms5,03 ms5,29 ms

Jetzt die Rechenzeit daneben. Die GEMM hinter dieser Aktivierung ist eine 16k→64k-Expansion, etwa 1,4⋅10141,4 \cdot 10^{14} FLOPs; bei einer B200 mit rund 2,25 PFLOPS dichtem BF16 pro GPU ergibt das 31,3 ms auf 2 GPUs, aber nur 7,8 ms auf 8 und 0,87 ms auf 72 GPUs. Mit Kommunikationsterm ergibt sich das tatsächliche Skalierungsbild:

NNetzRechnenKommKomm-AnteilEffektive Beschleunigung (ideal = N)
8NVLink 900 GB/s7,82 ms4,18 ms34,8%5,21×
8NDR 400 GB/s7,82 ms9,40 ms54,6%3,63×
72NVLink 900 GB/s0,87 ms4,71 ms84,4%11,2×
72XDR 800 GB/s0,87 ms5,29 ms85,9%10,2×

Zwei Schlussfolgerungen fallen direkt aus der Arithmetik raus. Von 2 auf 8 GPUs innerhalb einer NVLink-Domain erhält man 2,81× statt der idealen 4× — der Kommunikationsterm frisst rund 35 %. Von 8 auf 72 GPUs erhält man nur 2,15× statt 9× — bei einem Komm-Anteil von 84 % bewegt man Aktivierungen länger als man matmul-t, und das bei NVLink-Klasse. Das ist die Decke, die kein Marketing-Slide wegwischt, denn die Beschleunigung sättigt bei

Smax⁡(N)=TcTc+2(N−1)NVBS_{\max}(N) = \frac{T_c}{T_c + \frac{2(N-1)}{N}\frac{V}{B}}

Da TcT_c mit 1/n1/n schrumpft, der Kommunikationsterm aber näherungsweise konstant bleibt, rennt jede Strong-Scaling-Workload gegen die Wand beim NN, wo 2(N−1)NVB≈Tc/1\frac{2(N-1)}{N}\frac{V}{B} \approx T_c/1.

Baum-Algorithmen und In-Network-Reduction

Baum-Algorithmen erreichen dasselbe Datenvolumen O(Vlog⁡N)\mathcal{O}(V \log N), gewinnen aber bei kleinem VV auf Latenz: Ein Binärbaum-Allreduce braucht log⁡N\log N statt N−1N-1 Schritte, erkauft sich das aber mit schlechterer Bandbreitenausnutzung nahe der Wurzel. Der Ausweg aus Software-Bäumen ist die Reduktion im Netz selbst. Auf InfiniBand führt SHARP die Reduktion direkt in der Switch-ASIC aus, während die Daten durch einen Hardware-Reduktionsbaum strömen — die SHARP-Streaming-Aggregation-Studie misst MPI_Allreduce bei rund 95 % der Rohbandbreite und 2–5× der Bandbreite host-basierter Reduktion für mittlere bis große Nachrichten8, sowie bis zu 5,1× niedrigere MPI_Allreduce-Latenz bei 7.861 Nodes auf TACC Frontera9. NVIDIA berichtet für SHARPv2 (HDR-Generation) eine Verdopplung der Allreduce-Bandbreite, was in deren MLPerf-v1.0-Einreichung 17 % End-to-End-BERT-Trainingsdurchsatz einbrachte (Herstellerangabe)10. Die NVLink-Domain hat ein eigenes Pendant: NVSwitch-ASICs implementieren SHARP-artiges Multicast und Reduktion für Intra-Rack-Kollektive2; NVIDIA nennt 4× Bandbreiteneffizienz mit FP8-SHARP auf dem NVLink-Switch-Chip des GB200 NVL72 (Herstellerangabe)2. In-Network-Reduction durchbricht nicht die Bandbreitenschranke — sie erhöht den erreichbaren Anteil davon und spart einen Durchlauf.

4. Die Silizium-Sicht: Warum Scale-out mehr pro GB/s kostet

Wäre Ethernet kostenlos, würde es überall reichen. Der Grund, warum NVLink-Domains überhaupt existieren, ist Pro-Bit-Physik.

Kupfer gegen SerDes. Im Rack laufen NVLink-5-Links mit 100 GB/s als passives Kupfer über die NVL72-Backplane — kaum Reichweite (deshalb Rack-Maßstab), aber nahezu null Transceiver-Energie. Außerhalb des Racks quert jedes Bit PAM4-SerDes mit 100–200 Gb/s pro Lane. Die Task-Force-Umfrage der IEEE 802.3df beziffert 200-Gb/s-pro-Lane-SerDes auf etwa 3,5–4,5+ pJ/Bit projiziert je nach Kanalverlust, gegenüber Long-Reach-100G/Lane-SerDes mit 4,6–6,5 pJ/Bit gemessen; nur intra-Package-XSR-Links erreichen ≈1,7 pJ/Bit11. Das pro SerDes-Ende; jeder steckbare Link zahlt beide Enden.

Optik. Jenseits von ~2–3 m passivem Kupfer (oder ~7 m mit Active-Copper-Kabeln bei 2–4 pJ/Bit) springt Scale-out auf Optik: 800G-Steckmodule verbrauchen all-in 15–20 pJ/Bit (25–30 W pro 1,6T-Modul mit DSP-dominiertem Verbrauch), allein der DSP liegt bei 6–7 W pro 800G-Modul in der 100G/200G-Lane-Generation11. Co-Packaged Optics und Silizium-Photonik versprechen eine Senkung Richtung 3–5 pJ/Bit — das ist aber Roadmap-Mathematik, keine ausgelieferte Rack-Realität (Stand 2026).

Die Arithmetik eines Hops: 800 Gb/s über eine optische Strecke kosten rund 800⋅109⋅15⋅10−12≈12800 \cdot 10^9 \cdot 15 \cdot 10^{-12} \approx 12 W pro Richtung pro Link-Ende, gegenüber Bruchteilen eines Watt für eine Kupfer-NVLink-Lane im Rack. Multipliziert mit den zehntausenden Links eines 100k-GPU-Clusters wird Scale-out-Interconnect zu einem messbaren — teils dominanten — Anteil des Rack-Power-Budgets. Die Dämpfung des Kupfers setzt die umgekehrte Zange: Retimer und DSPs kaufen Reichweite zu pJ/Bit-Kosten, die mit dem Verlust steigen. Deshalb ist die NVLink-Domain ein Rack, keine Reihe: Das „eine Domain" des GB300 NVL72 sind neun kupferverbundene NVSwitch-Trays in einem Rack — keine beliebig getroffene Designentscheidung2. Scale-up endet, wo Kupfer billig ist; Scale-out beginnt, wo Kupfer nicht mehr funktioniert.

5. Topologie: Bisektionsbandbreite und Oversubscription

Scale-out-Netze sind Fat-Trees. Die Schlüsselmetrik ist die Bisektionsbandbreite: halbiere den Cluster und summiere die Bandbreite der geschnittenen Links. In einem idealen (nicht-blockierenden) zweistufigen Fat-Tree entspricht die Bisektionsbandbreite der hostseitigen Bandbreite — jede GPU kann mit jeder anderen mit Leitungsgeschwindigkeit sprechen, bei jedem Traffic-Muster. Das erfordert, dass die Spine-Ebene exakt die aggregierte Bandbreite der Leaves hat; in der Praxis drückt die Kostenfrage Betreiber zur Oversubscription: z. B. 2:1 oder 4:1 (auf 4 Gb/s Leaf-Downlink kommen 1 Gb/s Uplink). Unter einem Gleichverteilungs-Muster halbiert eine 2:1-oversubscribed Fabric die worst-case-effektive Allreduce-Bandbreite, obwohl auf jedem Port weiterhin „800 Gb/s" steht. NVIDIAs AI-Factory-Referenzarchitektur für GB300 baut ein zweistufiges SN5600-Leaf-Spine-Netz mit 144 × 400 Gb/s Uplinks pro 72-GPU-Rack bei 1:1 — bewusst nicht-oversubscribed, pro Ebene — genau damit diese Rechnung für Allreduce ehrlich bleibt2.

Multiplane-Designs verteilen jede SuperNIC auf 2–8 unabhängige Leaf-Spine-Ebenen und balancieren Pakete in Hardware darüber aus — Radix-Grenzen lockern sich bei konstanter Bisektionsbandbreite5. Der Preis ist die Fragmentierung der Pfade eines einzelnen Kollektivs; NCCL muss Multiplane-aware sein.

Was bedeutet „GB300 NVL72 ist eine Domain" für ein Allreduce? Ein 72-GPU-Ring kann vollständig innerhalb der Kupfer-Domain gezogen werden und läuft mit 900 GB/s pro GPU. Dasselbe 72-GPU-Allreduce, über neun 8-GPU-Server via Ethernet verteilt, muss 2⋅7172\frac{2 \cdot 71}{72} des Payloads über Inter-Node-Links schicken — bei noch so idealer 1:1-XDR-Provisionierung sind das die 5,29 ms gegen 4,71 ms plus ein bis zwei Switch-Hops, und das ganze Kollektiv steht und fällt mit der Oversubscription-Rate der Fabric, der Congestion Control auf dem Hot Path und dem Adaptive Routing.

6. Entscheidungstabelle nach Workload

WorkloadDominantes KollektivPayload-GrößeBenötigt
Tensor-Parallelismus (TP)Allreduce pro Layer, 2× pro Transformer-Block (Attention-Out + MLP-Out)groß (GB-Bereich, jeder Layer)Intra-Domain-Bandbreite — TP-Breite in die NVLink-Domain einsperren
Pipeline-Parallelismus (PP)Punkt-zu-Punkt-Aktivierungen zwischen Stufenmittel–großLatenztolerant (überlappt mit Rechnen), jedes Netz; Domain-lokal bevorzugt
Daten-Parallelismus (DP)Gradient-Allreduce einmal pro Step, überlappbargroß, aber planbarEthernet/IB genügt; wächst pro Step, amortisierbar
Experten-Parallelismus (EP) / MoEAll-to-all Dispatch/Combine pro Layermittel (Hunderte MB pro GPU und Layer)Schwerstes Netz: latenz- UND bandbreitensensitiv, passiert jeden Layer

Bei MoE sagen die Zahlen: bei einem realistischen Tokenfluss — etwa 65.536 Tokens × 4.096 Hidden in BF16, 0,54 GB pro GPU pro Dispatch — bewegt eine 800-Gb/s-pro-GPU-Ethernet/NIC-Zuteilung das in rund 5,37 ms, derselbe Dispatch im effektiven ~450 GB/s Halbduplex-Anteil einer NVLink-Domain braucht etwa 1,19 ms. Aber MoE-Dispatch sättigt in der Praxis unterhalb dieser Leitungsraten, denn All-to-all ist das Muster, das am empfindlichsten auf Oversubscription und Incast reagiert (viele GPUs treffen gleichzeitig beim Combine auf denselben Leaf-Switch): Die Fabric knickt in ihrem Lossless-Verhalten und Adaptive Routing ein, bevor die Linkrate es tut. Was zuerst sättigt, ist nicht rohe Gb/s — sondern die effektive Bisektionsbandbreite unter der tatsächlich anliegenden Permutation, plus die Latenzschranke für Kleinste-Nachrichten der Experten-Routen.

Faustregeln: TP ≤ Domain-Breite (8 auf HGX, 72 auf NVL72); PP ist Netz-agnostisch; DP ist ein Scale-out-Problem, das jedes Netz bei 1:1-Provisionierung stemmt; MoE-All-to-all will NVLink-Klasse innerhalb der Expert-Gruppen und eine nicht-oversubscribed Scale-out-Fabric — mit SHARP- und Multiplane-Offload, wo der Fan-out das Rack verlässt.

7. Kritische Sicht: Marketing-Zahlen gegen nutzbare Bandbreite

Die Datasheet-Zahl ist nicht die Zahl, die das Kollektiv bekommt. Drei systematische Lücken:

  1. Peak-Gb/s gilt pro Richtung bei 100 % Auslastung. Echte RoCEv2-Fabrics stemmen 60–90 % der Leitungsgeschwindigkeit unter Kollektiv-Traffic, je nach Tuning der Congestion Control; InfiniBand mit SHARP wird mit rund ≈95 % der Netzbandbreite gemessen8. Die Lücke multipliziert sich mit jedem Hop.
  2. „Aggregierte" Bandbreite ist eine Summe, keine Fabric-Eigenschaft. Die gefeierte NVL72-Zahl von 130 TB/s ist ∑72⋅1,8\sum 72 \cdot 1,8 TB/s bidirektional — die Summe aller GPU-Linkbandbreiten, keine Zahl, die ein einzelnes Kollektiv je sieht1. Ein Ring-Allreduce auf NVL72 erreicht eine algorithmische Bandbreite von N2(N−1)⋅900≈456\frac{N}{2(N-1)} \cdot 900 \approx 456 GB/s — hervorragend, aber „130 TB/s" ist es nicht, und ein Marketing-Slide, der „130 TB/s NVLink" gegen „51,2 Tb/s Ethernet-Switch" stellt, vergleicht eine rackweite aggregierte Summe mit einer Switch-Kapazität.
  3. Bisektionsbandbreite und Oversubscription stehen selten im Datenblatt. Berechnetes Beispiel: eine aus 800-Gb/s-Links gebaute „100.000-GPU-Fabric" mit 4:1-Spine-Oversubscription hat eine Worst-Case-Bisektion von 14⋅N⋅100\frac{1}{4} \cdot N \cdot 100 GB/s — 2,5 PB/s, was gewaltig klingt, bis man pro GPU teilt: 25 GB/s nutzbar im Worst Case pro GPU statt der beworbenen 100 GB/s. Unter einem bandbreitenlimitierten Ring-Allreduce läuft der Kommunikationsterm schlicht mit B=25B = 25 GB/s und vervierfacht TRingT_{\text{Ring}} gegenüber der Datasheet-Behauptung. Einheitsbreite „AI-Fabric"-Behauptungen erben alle drei Lücken gleichzeitig.

Der ehrliche Vergleich, pro GPU und pro Richtung: NVLink 5 liefert 900 GB/s in-domain; XDR und 800G RoCEv2 provisionieren bis zu 100 GB/s im Idealverhältnis 1:1; Oversubscription und Protokolleffizienz skalieren diese Zahl nach unten, nie nach oben. Scale-up kauft ein ~4,5–9×-Bandbreitenplus gegenüber einem gut provisionierten Scale-out-Link, und die Kollektiv-Mathematik zeigt, dass genau dieses Plus das ist, was TP-lastige und MoE-Workloads verbrauchen. Alles andere — DP-Gradienten, PP-Übergaben, Checkpoint- und Storage-Traffic — läuft gut auf der Scale-out-Fabric, und genau deshalb existieren riesige Trainingscluster überhaupt.

Verwandte Ressourcen

Footnotes

  1. NVIDIA, GB200 NVL72 Produktseite und Datasheet — 72-GPU-NVLink-Domain, 130 TB/s aggregiert, 1,8 TB/s pro GPU. https://www.nvidia.com/en-us/data-center/gb200-nvl72/ ↩ ↩2

  2. NVIDIA Enterprise Reference Architecture, NVL72 AI Factory — System Hardware & Components und Network Logical Architecture — 18 NVLink-5-Links pro GPU, 900 GB/s pro Richtung, ConnectX-8 2×400 Gb/s pro GPU, SN5600-Leaf-Spine-Fabric. https://docs.nvidia.com/enterprise-reference-architectures/nvl72-ai-factory/latest/components.html und https://docs.nvidia.com/enterprise-reference-architectures/nvl72-ai-factory/latest/network-logical-architecture.html ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7

  3. NVIDIA, Q32xx/Q34xx XDR 800 Gb/s InfiniBand Switch Systems User Manual — Quantum-3, 144 × 800-Gb/s-Ports, 115,2 Tb/s Switching-Kapazität. https://networking-docs.nvidia.com/xdrswitcheshw/specifications ↩

  4. NVIDIA Mellanox, NDR 400G InfiniBand Architecture Product Brief — 64 NDR-400-Gb/s-Ports, SHARPv3, In-Network Computing. https://www.nvidia.com/content/dam/en-zz/Solutions/networking/ndr-technology/pdf/br-ndr-architecture-brochure.pdf ↩ ↩2

  5. NVIDIA, Spectrum-X Ethernet Platform Datasheet / White Paper — SN5600 64 × 800G, RoCEv2 Adaptive Routing und Congestion Control, Multiplane-Topologien. https://resources.nvidia.com/en-us-networking-ai/networking-ethernet-1 ↩ ↩2

  6. Latenz-Hierarchie: Switch-Hop-Werte aus NVIDIA-InfiniBand/XDR-Dokumentation (Cut-Through, ~100 ns pro Hop)43 sowie publizierte RoCEv2-/NVSwitch-Messungen aus der Benchmark-Literatur; Ethernet 400–600 ns und NVSwitch ~100 ns als Messbereiche behandeln, nicht als Datasheet-Garantie. ↩ ↩2 ↩3

  7. NCCL nutzt Chunk-basierten/pipelinierten Ring-Transport; Chunk-Größen von 512 KB und größer sind das dokumentierte Standardverhalten für große Ring-Nachrichten. Siehe NVIDIA-NCCL-Dokumentation, https://docs.nvidia.com/deeplearning/nccl/ ↩

  8. Graham et al., SHARP Streaming-Aggregation Hardware Design and Evaluation (ISC 2020) — MPI_Allreduce bei ~95 % der Netzbandbreite, 2–5× über host-basierter Reduktion. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7295336/ ↩ ↩2

  9. Ramesh et al., Scalable MPI Collectives using SHARP: ... TACC Frontera (ExaMPI 2020) — bis zu 5,1× MPI_Allreduce-Latenzreduktion bei 7.861 Nodes. https://doi.org/10.1109/exampi52011.2020.00007 ↩

  10. NVIDIA Developer Blog, Advancing Performance with NVIDIA SHARP In-Network Computing — SHARPv2 2× AllReduce-Bandbreite, MLPerf v1.0 BERT +17 % (Herstellerangabe). https://developer.nvidia.com/blog/advancing-performance-with-nvidia-sharp-in-network-computing/ ↩

  11. IEEE 802.3df Task Force, Power considerations for 200G/lane AUI — 100G/Lane Long-Reach 4,6–6,5 pJ/Bit gemessen (XSR intra-Package 1,55–1,71), 200G/Lane 3,5–4,5+ pJ/Bit projiziert. https://grouper.ieee.org/groups/802/3/df/public/22_11/prli_3df_01_2211.pdf ↩ ↩2